KuK: Auseinandersetzungen mit Kunst und Theater

Geschrieben von: rh

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Paul Wagner, der sich dieses Jahr wieder für die Kunst-orientierten Programmpunkte verantwortlich zeichnet, eröffnete das KuK-Jahr im September mit dem traditionellen Besuch von Österreichs wichtigster Messe für Gegenwartskunst Vienna Contemporary in den alten Wiener Rinderhallen St. Marx, an der nationale und internationale Galerien, Podiumsdiskussionen, länderspezifische Sonderpräsentationen erneut die Bedeutung Wiens als wichtigem Standort für zeitgenössische Kunst stärkten. Im Oktober konnten sich die SchülerInnen am Open House Day an der Universität für Angewandte Kunst einen Eindruck von den diversen Projekten, gestalterischen Arbeiten und Kunstwerken an den verschiedenen Standorten der Institute der Angewandten in Wien verschaffen. Im November stand ein Schwerpunkt zur Filmgeschichte auf dem Programm. Die KuK-Gruppe besuchte im Rahmen der Retrospektive „Ein zweites Leben: Thema und Variation im Film“ des Wiener Filmmuseums die drei Filme The Magnificent Seven (Sturges, 1960), Shichinin no Samurai (Kurosawa, 1954), The Magnificent Seven (Fuqua, 2016). Die größer angelegte Retrospektive versuchte der „Tendenz zur Gleichschaltung“ im Kino heute mit einem Rückblick auf den Formenreichtum zu begegnen, mit dem das frühere Kino abseits von kommerziellem Kalkül die Differenzen im Umgang mit dem selben Thema oder derselben Idee zu zeigen versuchte. Dem Besuch der drei Vorstellungen folgte eine Diskussionsrunde, die sich auf die Figurendarstellung und den Wandel der moralischen Vorstellungen fokussierte. Die letzten beiden Kunst-Termine im ersten Semester widmeten sich der Ausstellung von Francis Alÿs in der Secession, wo seine sich stetig in Bearbeitung begriffene Serie von 111 Gemälden, Le temps du sommeil, gezeigt wurde, dem dortigen Beethovenfries, und den Werken der Studierenden an der Universität für Bildende Kunst, die im Rahmen des jährlichen „Rundgangs“ im Hauptgebäude am Schillerplatz, im Semperdepot und den weiteren Standorten betrachtet werden konnten.  

Parallel zu diesen kunstorientierten Terminen bot Anita Waldner Besuche verschiedenster Theatervorstellungen an, beginnend mit der Inszenierung der Antigone durch Jette Steckel im Burgtheater, die mit origineller Musik, einem imposanten Bühnenbild mit 80 Leuchtröhren und Joachim Meyerhoff als irrem Kreon Anklang fand. Im November sahen die SchülerInnen die verzweifelt-komische Premiere von Über meine Leiche im Kasino, einer verspielt inszenierten, skurrilen Coming-of-Age-Geschichte abseits jeglicher Rührseligkeit, die im Rahmen der Autorentheatertage in Berlin voraufgeführt worden war. Die Adaptierung von Oscar Wildes ästhetizistischem Klassiker Dorian Gray für die Bühne durch Bastian Kraft, in der Markus Meyer in einer Solodarstellung sämtliche Rollen spielt, erfreut sich im Programm des Burgtheaters seit mehreren Jahren großer Beliebtheit und wurde von den KuK-SchülerInnen im Akademietheater gesehen. Ans Akademie- und Burgtheater kehrte die Gruppe auch für die Vorstellungen des mit dem Nestroypreis prämierten Figurentheaterstücks F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig, das sich um die Euthanasiemorde am Spiegelgrund dreht, sowie die Inszenierung des Nestroy-Werks Der böse Geist Lumpazivagabundus zurück. Für das zweite Semester ist bereits ein Ausflug an das Landestheater St. Pölten geplant, wo Kafkas albtraumhafte Erzählung Die Verwandlung, welche im Rahmen der Reihe des Klassenzimmertheaters gespielt wurde, ein letztes Mal vor Ort zu sehen sein wird, zudem eine Exkursion ins Vienna English Theatre, wo Anthony Shaffers Thriller Sleuth von 1970, ein Stück voller Twists, Bluffs und einem klassischen Country-House-Setting, auf die KuK-Gruppe wartet.