6A/6B in Sussex, London und Kent, UK

Geschrieben von: rh

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Aus den Vorjahren bekannt waren etwa der Tag in London, ein Nachmittag in Brighton und die Küstenwanderung entlang der weißen Sandsteinklippen von Beachy Head nach Birling Gap bei Eastbourne/Seaford. Auch dieses Mal wussten diese Exkursionen wieder zu gefallen. Viele Kilometer wurden abgespult, bereits am dritten Tag zeigten die Messgeräte Distanzen von fast 70 Km an.

Neu ins Programm integriert wurden das Leeds Castle in Kent sowie das Charleston Farmhouse in Firle, Sussex.

Das Schloss in der südöstlichen Grafschaft blickt auf eine über tausendjährige Geschichte zurück und wurde ab 1926 von Lady Baillie bewohnt, die das Anwesen bis zu ihrem Tod 1974 laufend restaurierte und in Stand hielt. Berüchtigt waren vor allem die Hauspartys, die dort in den 1930er Jahren von ihr für die bessere Gesellschaft Londons gegeben wurden. Im zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude wie viele anderen Anwesen des britischen Adels – etwa der ebenfalls besuchte Royal Pavilion in Brighton – als Krankenhaus benutzt, unter anderem für Verwundete des Rückzugs von Dünkirchen. Neben den geschmackvoll eingerichteten Räumlichkeiten und dem imposanten Äußeren gefiel den SchülerInnen bei warmen Temperaturen und Sonnenschein auch das weitläufige Anwesen inklusive Labyrinth und Vogelschau.

Das sog. Charleston Farmhouse ist als ländlicher Rückzugsort der Bloomsbury-Group bekannt geworden, zu der neben der Schriftstellerin Virginia Woolf und deren Mann auch Woolfs Schwester Vanessa Bell und der Ökonom John Maynard Keynes, der Kunsttheoretiker Roger Fry gehörten. Die Künstlerin und Architektin Vanessa Bell pachtete das Anwesen 1916 zusammen mit ihrem Geliebten, dem Maler Duncan Grant, dem leiblichen Vater der gemeinsamen Tocher Angelica Bell, die später wiederum den Ex-Geliebten ihres Vater heiratete, den Schriftsteller David Garnett, der ebenfalls eine gewisse Zeit auf Charleston wohnhaft war. Die unkonventionellen Beziehungsverflechtungen standen damals in starkem Kontrast zu den Vorstellungen der viktorianischen Gesellschaft, waren so wohl nur fern der Großstadt London lebbar. Die Innenräume des Hauses – Wände, Möbel, Stoffe –  sind dekorativ gestaltet worden von Vanessa Bell und Duncan Grant, inspiriert von älterer italienischer sowie zeitgenössischer post-impressionistischer Malerei. Vor der Führung durch das Haupthaus wurden auch die anderen Ausstellungsräume auf dem Anwesen besucht; so die Ausstellung In Colour – Sickert to Riley mit koloristischen Werken von Vanessa Bell (1879-1961), Duncan Grant (1885-1978) und anderen britischen Malern des 20. Jahrhunderts sowie die Einzelschau Philip Hughes – Land in den South and Spotlight Galeries.

Nach einer Woche mit sehr dichtem und vielfältigem Programm (Geschichte, Kunst, Architektur, Design, Natur, Shopping, Minigolf (Sport?)), in deren Zentrum natürlich auch der Spracherwerb bzw. dessen Verfestigung stand, bekräftigten die SchülerInnen, eine wunderbare, erlebnisreiche, anstrengende Woche hinter sich zu haben.